Vorm Badespaß erst einmal auf zum Wandertag?

NWZ vom 05.01.2002

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Vorm Badespaß erst einmal auf zum Wandertag?

Behinderte wollen am Huntebad mitplanen

Der Standort sei für viele Menschen schwer erreichbar. Ein Workshop soll alle Anregungen berücksichtigen.

Oldenburg. Noch wird ums neue Huntebad gestritten, n och sind Größe, Ausgestaltung und Betrieb offen. Ein idealer Zeitpunkt, um Planer und Politiker für die Wünsche bestimmter Nutzergruppen zu sensibilisieren, findet Erhard Reil. Der Vorsitzende des Oldenburger Fußgängervereins „FUSS“ hat deshalb in zwei Schreiben an Oberbürgermeister Dietmar Schütz die Belange der Behinderten bei der Planung des neuen Freizeitbades angemahnt.

Wichtig ist Reil, der als Blinder die Probleme mobilitätsbehinderter Menschen genau kennt, dabei vor allem die Erreichbarkeit der Anlage. „Das bisherige Hallenbad Berliner Platz hatte eine eigene Bushaltestelle in vertretbarer Entfernung vom Haupteingang“, meinte er. Beim Huntebad dagegen gebe es, ebenso wie am Flötenteich, nur „lange und schwer zu findende Wege zwischen Haltestelle und Badeingang“. Blinde seien davon genauso betroffen wie ältere Menschen, Gehbehinderte oder Kinder – Nutzergruppen, die zum Schwimmen gehen wollten, „ohne daraus einen Wandertag zu machen“.

Für Reil ist klar, dass eine „so bedeutende Investition“ wie die für ein neues Bad sich nur dann lohnt, wenn später „eine größtmögliche Akzeptanz und Nutzung durch die Bürger“ erzielt wird. Dies sei aber nur, „durch eine optimale Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln sicherzustellen“. Einer vom Bundesverkehrsministerium in Auftrag gegebenen Studie über „Berücksichtigung behinderter Menschen bei Verkehrssicherheitsmaßnahmen“ zufolge, sei die einem Gehbehinderten zumutbare Strecke etwa 250 Meter lang.

Oberbürgermeister Schütz gesteht in seiner Antwort an Reil ein, dass bei der Standortwahl des Bades „offensichtlich die Situation für blinde Mitbürger nicht erkannt“ worden sei. Die Wege zwischen Haltestellen und Bad seien 400 bis 600 Meter lang, und „wie wir dieses Problem lösen können, ist mir derzeit noch nicht ersichtlich „, erklärt Schütz. Er kündigte allerdings an, dass auch die Behinderten in einem Workshop, bei dem demnächst alle Interessengruppen ihre Anregungen für den Neubau vortragen werden, zu Worte kommen sollen. Der FUSS-Vorsitzende erklärte daraufhin, in dem bevorstehenden Workshop „konstruktiv mitarbeiten“ zu wollen.