Tag des weißen Stockes

Münsterländische Zeitung vom 15.10.2003

Tag des Stockes

Cloppenburg/EB/HZ/TL "Überschattet" wird nach Ansicht des Blinden- und Sehbehindertenvereins Oldenburg der heutige "Tag des weißen Stockes" durch die Absicht einiger Landesregierungen, das Blindengeld zu kürzen. Damit würden Sehbehinderte moderne Kommunikationsmittel und andere Hilfen mangels Geld nicht mehr nutzen können, befürchtet Landesvorsitzender Karl-Heinz Dittert aus Cloppenburg. "Es ist bereits so gut wie sicher, dass die Landesregierung im nächsten Jahr 20 Prozent streicht", beschreibt Dittert die Situation in Niedersachsen. Das Blindengeld in Höhe von 500 Euro monatlich, das nicht an Einkommen und Vermögen gekoppelt ist, wird seit Jahrzehnten für die Mehrkosten gezahlt, die spezielle und zum Teil sehr teure Hilfsmittel für Blinde mit sich bringen. Dazu zählen sprechende Uhren, Personen- oder Haushaltswaagen. "Alles Dinge des täglichen Bedarfs, die wesentlich teurer sind als normale Produkte", verdeutlicht der blinde Dittert die Notwendigkeit der finanziellen Unterstützung, die sich nicht allein auf die Nutzung moderner Medien beschränken lasse. Der bundesweite Aktionstag des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes unter dem Motto "Lesen, Fernsehen, Surfen im Internet - können Blinde das auch?" soll auf die Möglichkeiten und Probleme der rund 155 000 Blinden in Deutschland bei der Mediennutzung aufmerksam machen. Wie Blinde den Alltag erleben, diese Erfahrung konnten unlängst die Mädchen und Jungen aus der Klasse 8c der Cloppenburger Hauptschule Leharstraße machen. Ausgerüstet mit Blindenstock und Augenbinde bewegten sich die Schüler unter verkehrspolizeilicher Aufsicht paarweise durch den Straßenverkehr. Ein Partner tastete sich vor, der andere schützte den "Blinden" durch Zurufe vor Hindernissen. "Das ist gar nicht so einfach, wenn man auf einmal nichts mehr sieht", meinte Natascha. Tipps gab Erhard Reil, selbst mit 13 Jahren am grauen Star erblindet. Er besuchte die Blindenschule und absolvierte ein Mobilitätstraining, das es ihm ermöglichte, sich auch im Straßenverkehr eigenständig zu bewegen. Dass Fahrräder und Mülltonnen nicht gedankenlos auf dem Bürgersteig abgestellt werden sollen, da sie eine Gefahr für Blinde darstellen, können jetzt auch die Jugendlichen nachvollziehen. Blinden Menschen Hilfe anzubieten, ist häufig einfacher als gedacht, etwa durch gemeinsames Laufen, Schwimmen, Tandem fahren oder Bücher vorlesen.