Blindengerechtes Bauen in Oldenburg (Video)

Diese Videofilme soll aufzeigen, wie blindengerechtes Bauen in Oldenburg umgesetzt wurde.




Seit Mitte der 80er Jahre habe ich mich mit einem blinden Bekannten damit beschäftigt, für uns als sehbehinderte und blinde Menschen die Orientierung zu erleichtern. Der Wille der Mitarbeiter der Stadt Oldenburg war da, uns zu helfen. Hilfe ja, aber es durfte möglichst kein Geld kosten.

Verschiedene Versuche scheiterten und wir kamen zu keiner Lösung.
Stiller Weg
Stiller Weg - Versuch der Stadt Oldenburg
 
Hier wurden im Jahre 1993 rillierte Platten als Begrenzung zwischen Rad- und Gehweg verlegt. Dieser Versuch ist gescheitert, weil die Stadt Oldenburg sich nicht an die Richtlinien des Handbuchs, der DIN 32984 (inzwischen verabschiedet ) und den Hersteller dieser Platten gehalten hat und keine Begleitplatte eingebaut hat. Diese rillierte Platte ist nicht ertastbar, der Oberflächenrauheitskontrast ist zu schwach, eine großflächige glatte Begleitplatte hätte mit verlegt werden müssen.

Glatte Steine in der Größe des Gehwegmaterials können eine großflächige Begleitplatte nicht ersetzen, da die Fugen den Rauheitskontrast nicht fühlbar werden lassen.
Stiller Weg
Versuch Stiller Weg – Gummisteine
 
Hier wurde mit Gummisteinen versucht, das Problem der Trennung von Rad- und Gehweg zu lösen. Auch dieser Versuch ist gescheitert, weil die notwendige Begleitplatte fehlt.
Konstanz
Aufnahme aus Konstanz, Kreisverkehrswacht - Blindenleitstreifen mit Begleitplatte
 
Hier sehen Sie eine erneute Aufnahme aus Konstanz. Wenn die rillierte Platte auf diese Weise in Oldenburg verlegt worden wäre, wäre der Versuch erfolgreich gewesen. Die Rillen der Platten müssen immer in Gehrichtung verlegt sein, und die notwendige Begleitplatte muss mit verlegt werden. Der Blindenleitstreifen ist sonst nicht ertastbar.
Leitsystem
Leitsystem Harreweg, ein Aufmerksamkeitsfeld
 
Ein Aufmerksamkeitsfeld mit einer Rillenplatte, wie eben schon gesehen, nur dass die Rillen quer zur Gehrichtung verlaufen. Auf beiden Seiten der Rillenplatte wurden breite Gehwegplatten (auch Begleitplatte genannt) verlegt. Bei Aufmerksamkeitsfeldern, die von zwei Seiten angegangen werden können, ist es notwendig, dass von beiden Seiten eine Begleitplatte verlegt wird. Damit der Oberflächenrauheitskontrast mit dem Blindenlangstock sowie den Füßen wahrnehmbar ist. Ohne eine Begleitplatte, wie bereits geschildert, ist eine derartige Rillenplatte nutzlos, weil sie nicht fühlbar ist.

In den 90er Jahren wurde vom damaligen Vertreter des deutschen Blindenverbandes für Umwelt und Verkehr, Herr Volker König, eine Rillenplatte entwickelt. Und da ich diese Rillenplatte sehr gut fand, habe ich dafür gekämpft dass Sie auch in Oldenburg eingesetzt wurde. Damals bekam ich zunächst keine Unterstützung von den Behindertenvertretungen. Doch mit Überzeugungsarbeit, dass es in Wiesbaden, Dessau, Konstanz und Stuttgart möglich war, erhielt ich dann Unterstützung.

Ende der 90er Jahre wurde dann der ZOB an der Nordseite des Bahnhofs Oldenburg geplant. Da habe ich dann darum gekämpft, dass wir einen ZOB bekommen würden, der für alle mobilitätsbehinderten Menschen auch zugänglich ist und genutzt werden kann. Und so begann der Kampf wegen eines Blindenleitsystems. Da die Platten sehr teuer sind, war es immer eine Diskussion um die Geldfrage. Doch dann ließ sich die Stadt Oldenburg darauf ein, weil wir nachweisen konnten, dass es in anderen Städten auch geht. Wir wurden dann in die Planungen einbezogen und ich konnte viele Anregungen unterbringen. Dabei habe ich mich auch bei den Mitarbeitern der Stadt unbeliebt gemacht, wenn Sie unsere Vorstellungen nicht umsetzen wollten.

Im Jahre 2000 wurde der ZOB fertig gestellt und heute kann man sagen, dass der ZOB und der Bahnhofsplatz an der Südseite des Bahnhofs Oldenburg für alle mobilitätsbehinderten Menschen nutzbar ist und für uns sehbehinderte und blinde Verkehrsteilnehmer eine sichere Hilfe darstellt.

Im Jahre 2009 wurde auch der Lappan (eine Hauptumsteigestelle) neu gestaltet und auch für mobilitätsbehinderte Menschen nutzbar gemacht. An dieser Planung habe ich mich wenig beteiligt, weil es gesundheitliche Gründe gab und die anderen Gründe werde ich in einem weiteren Film aufzeigen.

Durch das Busbeschleunigungsprogramm wurden in Oldenburg alle Bushaltestellen, wo der Platz es ermöglichte, Blindenleitstreifen zur Orientierung eingebaut. So kann gesagt werden, dass wir fast flächendeckend Blindenleitstreifen im Busverkehr haben.

Hinzu kommt, dass im Rahmen dieses Programms auch an vielen Lichtsignalanlagen akustische Zusatzeinrichtungen eingebaut wurden. Und damit kann man sagen, dass Oldenburg in der mobilitätsbehindertengerechten Gestaltung mit zu den vorbildlichsten Städten gehört. Sicher gibt es bei den akustischen Zusatzeinrichtungen an Lichtsignalanlagen noch Verbesserungen. Denn bei Nebenstraßen ist oft keine akustische Zusatzeinrichtung vorhanden. Aber vielleicht gelingt dies alles noch. Die Hoffnung stirbt zu letzt!!!

Ich freue mich sehr, dass ich an dieser Entwicklung meinen Anteil habe, auch wenn ich mich unbeliebt gemacht habe. Dafür haben wir aber gute Voraussetzungen für ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben in Oldenburg.

Orientierungshilfen in der neu gestalteten Fußgängerzone wurden uns durch den Baudezernenten der Stadt Oldenburg, Herr Dr. Pantel, verwehrt.

Für das Erreichte in Oldenburg danke ich dem ehemaligen Geschäftsführer der Verkehrswacht Stadt Oldenburg e. V., Herrn Michael Michel, der immer positiv versucht hat zu unterstützen. Und danken möchte ich auch den Mitstreitern von Fuss e. V. Oldenburg und den Verantwortlichen des Arbeitskreises für Behindertenfragen.

Den Verantwortlichen der Stadt Oldenburg, dem ehemaligen Leiter des Tiefbauamtes, Herr Hans-Joachim Schatke, und dem Leiter der Verkehrsabteilung, Herrn Gert Malten, die trotz eingebundener Zwänge der Stadt Oldenburg uns immer positiv gegenüber standen. Dafür ein aufrichtiger Dank.