Mein Weg in den ADFC

Mein Weg in den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub ADFC


1984 wollte ich unbedingt Tandem fahren. Meine Exfrau hatte keine Lust dazu, weil die Strecken zu weit waren und ich zu schnell fuhr. Sie fuhr nur ab und zu mal mit, wenn es um Strecken von 3 bis 5 km ging, z. B. Einkaufen usw.

Durch ein Seminar der Volkshochschule Oldenburg lernte ich einen jungen Mann namens Horst kennen. Ich hatte im Seminar erzählt, dass ich Menschen zum Steuern des Tandems suchen würde und auch evtl. einen Verein. Zum Schluss des Seminars trat Horst an mich heran und sagte: „Komme doch einmal am Mittwoch in die Bahnhofsgaststätte, dort treffen sich Mitglieder des ADFC zum Stammtisch. Wir machen ab und zu Radtouren und ich wäre wohl bereit dich auch zu steuern, wenn ich auf dem Tandem sitzen kann.“ Er war 1,85 m groß.

Ich ging zu diesem Kreis in die Bahnhofsgaststätte und schaute mir das an. Es waren aber nur fünf Personen. Sie diskutierten, was sich im Verband und in Oldenburg für Radler ändern müsste. Z.B. könnte man doch auch einen Fahrradmarkt veranstalten. Bei den Treffen sprach ich auch über mein Anliegen, Tandem zu fahren. Gerhard, heute nicht mehr dabei, fragte mich, ob es nicht noch mehr blinde Menschen in Oldenburg gibt. Ich bejahte dies, und er bat mich dann zu fragen, ob es noch mehrere blinde Personen gibt, die auch Interesse am Tandem fahren hätten. Der Blindenverein unterstützte damals die Sache nicht. Ich fand dann aber einige, die wohl Interesse hatten. So entstand eine Tandemgruppe für Blinde im ADFC und war die erste aktive Sache. Wir waren zu Beginn 11 Tandemgespanne. Die Gruppe fuhr einmal im Monat an Samstagen. Es wurde um 13 Uhr in der Innenstadt gestartet und wir waren gegen 18 Uhr wieder zurück. Entfernungen waren es von 50 bis 70 km. Leider verkleinerte sich die Gruppe nach und nach. Dafür gab es verschiedene Gründe. Auch, weil man mit den sehenden Menschen Probleme hatte. Und dann war plötzlich die Gruppe auseinander gefallen.

Da der ADFC dann später Feierabendtouren anbot, fuhr ich immer dort mit. Zum Steuern hatte ich unterschiedliche Personen. Ich weiß gar nicht mehr, warum ich dann im Jahre 1993 mit dem Tandemfahren aufhörte.

Zu Beginn sprach ich davon, dass der Kreis vom Stammtisch immer von einem Fahrradmarkt diskutierte. Dieser Diskussion war ich irgendwann überdrüssig. Ich sagte: „Mit diskutieren und planen kommt man nicht weiter, sondern wir müssen es konkret anpacken. Versprach aber meine Unterstützung, so gut es ging. Die Planungen verliefen schwerfällig. Aber dann kam es auch zu einem ersten Termin eines Fahrradmarktes. Jeder hatte eine Aufgabe. Ein Mitglied hatte die Aufgabe, Wegweiser zu malen. Doch dieses Mitglied machte immer alles auf den letzten Drücker. Der Tag kam, und wir kamen zum ersten Fahrradmarkt Oldenburg in die Vorräume des Schwimmbades der Universität Oldenburg. Die Wegweiser waren noch nicht fertig und wurden vor Ort gemalt. Aber die Verkäufer waren vor Beginn des Marktes da und verkauften schon ihre Räder. Der erste Fahrradmarkt Oldenburg war ein Erfolg und wir bekamen neue aktive Mitglieder.

Bei den Stammtischtreffen klopften wir uns zunächst selbst auf die Schulter. Tat ja auch gut, wo sonst immer nur diskutiert wurde.

Die Radtouren des ADFC wurden dann häufiger und man sprach davon, eine eigene kleine Geschäftsstelle zu errichten. Es stellte sich aber die Frage WO? Und wie bezahlen. Damals floss noch viel Geld von den Beiträgen in die Ortskasse. Und dann war es einigermaßen zu bezahlen.

Es fand sich dann eine Möglichkeit in einem Souterrain, und dort musste renoviert werden. Das wollte man dann selbst machen, und es fanden sich auch einige Helfer dazu. Doch als es um die Arbeit ging, waren es nur noch Wenige. Aber die Renovierung konnte abgeschlossen werden. Es stellte sich dann heraus, dass diese Räume im Winter sehr kalt waren und auch die Wände nass waren, sodass sehr, sehr viel geheizt werden musste. Zu Beginn der Geschäftsstelle hat Wim, ein Holländer, dort täglich für den Ortsverein gearbeitet. Natürlich ehrenamtlich. Er war arbeitslos. Und zum Schluss seiner Mitgliedschaft hatte er eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme vom Arbeitsamt bekommen und konnte dadurch Vieles tun. War im Verkehrsausschuss der Stadt und bewegte einiges für Radler in Oldenburg. Und so wurde der ADFC zu einem anerkannten Verband in Oldenburg, der heute nicht wegzudenken ist. Besonders wegen dem Einfluss zum Radverkehr, aber besonders die sehr, sehr aktive Tourengruppe. Die Radtourengruppe des ADFC bietet inzwischen jeden Sonntag ab April bis Oktober Radtouren an. Diese Radtouren sind sehr gefragt.

Im Jahre 2001 wollte ich wieder Tandem fahren. Doch keinen Steuermann/frau!!! Ich bat den damaligen Leiter der Feierabendtouren des ADFC, Jochen, ob er einmal fragen würde, wer von den Teilnehmern bereit wäre mich zu steuern. Wie Jochen dann berichtete, sollen sich nach der Frage alle angesehen haben und jeder soll wohl gedacht haben, mach du es doch. Es dauerte etwas, und dann meldete sich mein Freund Alfred. Sagte dann: „Ich will das wohl mal versuchen, aber erst eine Probefahrt mit ihm!“

Diese Probefahrt machten wir und sie dauerte gleich eine Stunde. Alfred sah keine Probleme dabei und erklärte sich dann bereit, mich auf den Feierabendtouren zu steuern. Nach einer Zeit fragte ich Beate, die ich seit 1988 vom ADFC kannte, ob sie Lust hätte, mich zu steuern. Das wollte sie auch, und wir fuhren die erste Sonntagstour nach Hariersand mit. Beate ist ein kleines Persönchen und mein Freund Alfred hatte Bedenken, ob wir die Strecke von 98 km wohl schaffen würden. Ich hatte da keine Bedenken, weil ich um die Qualitäten von Beate wusste. Auf der Fähre bei Berne, wo wir über die Weser übersetzten, fragte Alfred: „Alles klar bei Euch?“ Wir bejahten das, weil wir keine Probleme hatten. Um 9 Uhr gestartet und gegen 17:30 Uhr wieder in der Innenstadt von Oldenburg angekommen. Am Ende der Tour sagte Alfred nur: „Ich habe nicht geglaubt, dass ihr die Tour schaffen würdet! Ich hatte mich schon auf der Fähre bei Berne drauf eingestellt, dich steuern zu müssen. Alle Achtung vor Beate!“ Wenn wir heute noch einmal über bestimmte Fahrten und Beate sprechen, dann spricht Alfred immer noch von dieser Tour.

Ich habe viele schöne und lange Touren mitmachen dürfen. Schnelle und langsame.

Allen, die mir das ermöglicht haben, mein aufrichtigen Dank. Damit hat man mir Lebensfreude und Lebenskraft gegeben.