Hilfe gesucht für eine Leidenschaft

Hilfe gesucht für eine Leidenschaft
Von Sven Hunger-Weiland

Auf dem Tandem fühlt sich Erhard Reil wohl. Die Begleitung ist allerdings notwendig.

Hilfe gesucht

Hilfe für Leidenschaft Foto: hun
Oldenburg. Erhard Reil bewegt sich gern. Laufen und Wandern waren seine Leidenschaft, bis ihn eine Operation ausbremste. Das Tandemfahren ist ihm geblieben – allerdings kann er auch dies nicht alleine bewerkstelligen. Denn Erhard Reil ist blind und sucht einen Begleiter, der ihm den Weg weist.
„Ich war schon in meiner Jugend sportlich aktiv, fuhr Fahrrad und spielte Fußball“, erzählt der 63-Jährige. Doch mit 13 Jahren machte sich ein Augenleiden bemerkbar – fünf Jahre später war er vollständig erblindet.
Der Bewegungsdrang lässt ihn nicht los. Viele Jahre lang wanderte er in der Wandergruppe des Sportvereins Ofenerdiek mit, trifft sich mit dem Lauftreff-Süd und wird im ADFC aktiv. Immer ist ein Führer mit von der Partie: „Als Blinder ist man natürlich auf jemanden angewiesen, der die Richtung angibt. Aber deswegen machen Laufen und Fahrrad fahren nicht weniger Spaß“, erklärt er. Per Cordel hielt er den Kontakt. Sein feines Gespür, das viele Aufgaben der Orientierung übernommen hat, half ihn selbst bei holprigen Waldstrecken, nicht aus dem Takt zu kommen.
Doch mit dem Laufen ist es seit einer Meniskusoperation vorbei. Fahrradfahren kann er dagegen immer noch. Ich kann es mir nicht vorstellen und darf aufs Tandem - probehalber: „Das wichtigste für einen Blinden ist, keine Angst zu haben. Diese würde sich auf den Begleiter übertragen“, weiß er. Und das spüre ich auch: Von Unsicherheit keine Spur. Kräftig tritt Erhard Reil in die Pedale, nimmt Gas runter, wenn ich bremsen muss. Zum Schluss war das erstmalige Fahren eines Tandems für mich ungewohnter als das Wissen, einen Blinden begleitet zu haben.
Regelmäßig möchte der Vorsitzende des Fußgängerschutzvereins seinem Hobby nachgehen. Doch die bisherigen Begleiter mussten aus familiären oder beruflichen Gründen aufgeben. Jetzt sucht er neue Freiwillige: „Am besten wären mehrere Menschen. Dann braucht sich der Einzelne nicht verpflichtet zu fühlen, denn es soll beiden Spaß machen und keine Belastung für den Begleiter werden“, erklärt er. Die Verantwortung übernimmt er gänzlich, das bekämen die Begleiter sogar schriftlich. Auch würden keine sportlichen Höchstleistungen verlangt. Für ihn ist das Fahrradfahren wichtig: „Es ist nicht nur die Bewegung, sondern auch das Gefühl des Windes oder des Wechsels von Licht und Schatten auf der Haut, die Gerüche und vieles Mehr. Blinde nehmen die Umwelt ebenfalls war, nur eben anders.“ Sogar beim „inForum“ und der angeschlossenen Agentur „:ehrensache“ hat er schon angefragt: „Die waren nicht bereit, mich in meinem Anliegen zu unterstützen“, berichtet er.
Generell kann er sich über Hilfe aus der Bevölkerung nicht beklagen: „Ich werde regelmäßig gefragt, ob man mir beispielsweise über die Straße helfen könne. Das ist auch gut so – Hauptsache, man wird als Blinder angesprochen und nicht einfach ohne Vorwarnung herüber gezerrt.“ Dass allerdings käme nur sehr selten vor.
Wer Interesse an diesem interessanten Ehrenamt hat, kann unter Telefon 0441/9491568 oder per Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! mit ihm Kontakt aufnehmen.

 

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