Blinde sind ohne Leitlinien im Ort verloren

Erhard Reil hält Vortrag vor Senioren- und Behindertenbeirat
Christian Korte Hatten
Mit den besonderen Bedürfnissen von sehbehinderten Menschen im Straßenverkehr setzte sich der Senioren- und Behindertenbeirat der Gemeinde in seiner jüngsten Sitzung auseinander.
Der gebürtige Munderloher Erhard Reil, der selbst im Alter zwischen 13 und 18 Jahren erblindete, setzt sich seit vielen Jahren in Oldenburg für eine stärkere Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse sehbehinderter Menschen ein. Ihn begrüßte der Vorsitzende des Beirates, Heinz Priesmeyer, am Montag als Referenten.
Bestehende Verkehrswege eigens für Blinde umzubauen sei zu viel verlangt, meinte Reil vor den Mitgliedern des Beirates. Wenn aber ohnehin Umbauarbeiten anstünden, so wie jetzt in Kirchhatten, sollten doch entsprechende Maßnahmen eingeplant werden.
Reil demonstrierte anhand zahlreicher Fotografien, welche Gefahren für einen Blinden im Verkehr lauern. Dieser sei zur Orientierung mit dem Blindenlangstock auf Leitlinien angewiesen – etwa eine deutlich fühlbare Bordsteinkante. Diese allerdings, räumte Reil ein, erschwere Menschen mit anderen Mobilitätseinschränkungen, etwa den Benutzern von Rollatoren oder Rollstuhlfahrern, den Alltag.
Reil erwähnte aber auch andere Möglichkeiten zur Orientierung, etwa spezielle Bodenplatten mit Rillen oder Noppen, die mit dem Blindenlangstock erfühlt werden können. Angesichts der Vielzahl von verschiedenen Sehbehinderungen sei es auch wichtig, bei der Markierung von Wegen auf die richtigen Farben zu setzen. Zahlreiche weitere Anmerkungen, etwa zu Hinweisschildern, die eine Gefahrenquelle darstellen können, gab Reil den Mitgliedern des Beirates ebenfalls mit auf den Weg.
Der Referent hatte allerdings nicht nur allgemeine Informationen mitgebracht, er hatten auch einige direkt auf die Gemeinde bezogene Anregungen. So sei die Aufstellung von Schildern an den Bushaltestellen in der Gemeinde nicht optimal gelöst und auch der Zugang zum Rathaus könne aus der Perspektive von Menschen mit Sehbehinderungen verbessert werden.
Zu den Plänen für eine Umgestaltung der Ortsdurchfahrt Kirchhatten erklärte Reil, dass jeder niveaugleiche Ausbau von Verkehrsflächen ohne fühlbare Kanten aus seiner Sicht abzulehnen sei. Bürgermeisterin Elke Szepanski, die Reils Vortrag ebenfalls verfolgte, erinnerte daran, dass die Pläne für Kirchhatten in Abstimmung mit den Blindenverbänden entstünden.

NWZ Artikel 14. Nov. 2012