Rudern beim Oldenbuger Ruderverein (Erfahrungsbericht)

Blinde rudern? Wie soll das gehen?

Von Erhard R.

Rudersport für sehbehinderte und blinde Menschen? Zunächst die Frage, warum überhaupt Sport? Und warum gerade rudern für Menschen mit Handicap? Auf diese Frage können die kompetenten Mitglieder des Oldenburger Rudervereins (O.R.V.O.) eine Antwort geben. Im Herbst 2005 berichtete die Nordwest-Zeitung über das Abrudern des O.R.V.O. und in diesem Zusammenhang über die erfolgreiche Integration einer Blinden und es erfolgte der Aufruf, dass sich weitere sehbehinderte und blinde Menschen melden könnten, um im Verein integriert zu werden.

Nach diesem Bericht entschloss ich mich im Frühjahr 2006, einen Ruderkurs zu machen und wandte mich an den Ruderverein. Es wurde ein Schnuppertermin vereinbart. Am vereinbarten Termin holte mich netterweise der Ruderkursleiter, Herr Jens Appelbohm, von der Bushaltestelle Schleuse der Linie 315 ab, da ich sonst keine Möglichkeit gehabt hätte, das Vereinshaus zu erreichen. Er zeigte mir zunächst die Hallen mit den Booten und dann das Vereinshaus, die Umkleidekabinen und Duschen, die Sauna und den Kraftraum sowie das Wichtigste, die Vereinsgaststätte, um den Durst nach dem Rudern löschen zu können. Danach ging es wieder in die Bootshalle und dort zeigte man mir die unterschiedlichsten Boote, draußen lag auch ein Boot welches mir erklärt wurde.

Wir trugen dann das Boot gemeinsam an den Steg und ließen es zu Wasser. Es wurde mir gezeigt, wie die Ruder beim Ausleger befestigt werden und anschließend wurde mir das Einsteigen ins Boot gezeigt. Dann fuhren wir einige Meter auf die Hunte und mir wurde gezeigt, wie die Arme und Hände beim Rudern gehalten werden müssen, um keine Probleme mit den Armen zu bekommen und wie sich der genaue Bewegungsablauf beim Rudern vollzieht. Zunächst erschien mir das als sehr schwierig und ich teilte meine Bedenken mit, ob ich das wirklich lernen könne. Diese Bedenken räumte Herr Appelbohm mit wenigen Worten aus. Wir holten das Boot wieder aus dem Wasser und reinigten es. Ich wusste nicht, dass unsere Hunte so extrem dreckig ist, wenn auch in der Presse oft darüber berichtet wurde. Das Boot brachten wir dann in die Halle und gingen in die Vereinsgaststätte, um über den Ruderkurs, die Kosten, Termine usw. zu sprechen. Mir wurden alle auftretenden Fragen beantwortet und es wurde über die Aktivitäten des Vereins erzählt. Der Schnuppertermin dauerte 2:45 Stunden. Ich war sehr überrascht, welche Zeit man sich für mich nahm, aber auch, wie ich motiviert wurde, den Ruderkurs zu machen und ich entschloss mich dazu.

Und dann ging es los. Ganz langsam und ruhig. Es wurde auf die Rudertechnik großen Wert gelegt und bei der kleinsten Fehlhaltung wurde gestoppt und mir die korrekte Technik nochmals gezeigt. Bei jeder Ruderstunde wurde immer wieder alles wiederholt und auch besonders auf die Technik geachtet. Ab der 3. Ruderstunde wurden die Ruderbefehle: z.B. Backbord wenden und Steuerbord wenden, sowie ab der 5. Ruderstunde die Befehle: Backbord Ruder lang und Steuerbord Ruder lang eingeübt, was anfangs Schwierigkeiten machte, aber durch die ausführlichen und wiederholten Erklärungen und nicht zuletzt durch die unbeschreibliche Ruhe, die Herr Appelbohm ausstrahlte, klappte es immer besser. Leider haben plötzliche gesundheitliche Schwierigkeiten mich gezwungen, den Ruderkurs nach der 5. Stunde abzubrechen. Sobald ich aber wieder gesund bin, werde ich den Ruderkurs neu aufnehmen. Ich möchte zum Ausdruck bringen, dass dem Oldenburger Ruderverein hohe Anerkennung zu zollen ist, das sie bemüht sind, Menschen mit Handicap in ihrem Verein zu integrieren.

Mein Dank und meine große Anerkennung gilt besonders Herrn Appelbohm und seinen Vereinskollegen, die ihm bei diesem Kurs assistiert haben. Mit Fachkenntnis, Ruhe und Geduld haben sie es möglich gemacht, mich für das Rudern zu begeistern. Rudern ist ein schöner Sport und ich bin nach jeder Ruderstunde für drei bis vier Tage ohne Schmerzen im Rücken gewesen. Die Ruhe auf dem Wasser, die Natur zu spüren und zu genießen, die Geräusche des Wassers zu hören, das war wunderschön. Was ich auch als besonders schön empfand, war, dass die Mitglieder des Rudervereins mir immer wieder berichtet und geschildert haben, was auf dem Wasser zu sehen war, z. B. eine Ente mit ganz jungen Kücken, höchstens vier Tage alt, die nur wenige Meter von uns entfernt waren. Ich kann nur jedem sehbehinderten und blinden Menschen empfehlen, sich dem Ruderkurs zuzuwenden, wenn er Interesse an Sport und körperlicher Bewegung hat.

Mit ruhigem Gewissen kann man sich den Mitgliedern des Rudervereins Oldenburg anvertrauen. Ich danke allen Mitgliedern und dem Ruderverein für diese positive Erfahrung. Ich hoffe und wünsche, dass ich auch anderen blinden und sehbehinderten Menschen mit diesem Bericht ein wenig Mut machen kann, sich dem Rudersport zuzuwenden. Einige Angaben zu meiner Person: Ich bin 58 Jahre alt und blind.

Zum Schluss noch die Internetadresse des Oldenburger Rudervereins (O.R.V.O.), falls auch Sie Lust am Rudern bekommen haben:

http://www.orvo.de/