Sie wanderten von Pforzheim nach Basel (Zeitungsartikel)

Badische Zeitung vom August 1980
Artikel Wanderung

Den Sonnenschein konnten sie nur fühlen, aber…

Badische Zeitung August 1980

Sie wanderten von Pforzheim nach Basel

Für zwanzig Blinde aus dem Rehabilitationszentrum Bad Liebenzell ein Erlebnis

Lörrach/Bad Liebenzell (ic) Den Sonnenschein konnte sie nur fühlen, das Grün der Bäume und Büsche nicht sehen, trotzdem waren zwanzig Blinde aus dem Rehabilitationszentrum Bad Liebenzell bei Pforzheim begeistert von einem Experiment besonderer Art: Mit Rucksack und Blindenstock und sechs sehenden Begleiterinnen und Begleitern wagten sie sich auf eine Wanderung über den Höhenweg von Pforzheim nach Basel.

Am Mittwochnachmittag passierten sie die Lörracher Grenze und wanderten zu einer Kaffeepause in den Tierpark Lange Erlen in Basel. Hier war die letzte Etappe der zehntägigen Wanderung, die am 27. Juli in Pforzheim begonnen hatte. Die letzte Nacht vor der Heimfahrt verbrachte die Wandergruppe in Basel. Gestern ging es zurück.

Siegfried Fritsche, einer der Lehrer im Rehabilitationszentrum Bad Liebenzell, organisiert schon seit mehreren Jahren solche Wanderungen für Blinde. „Es war für uns alle ein unwahrscheinliches Erlebnis“ berichtete einer der blinden Wanderer. „Natürlich wurde vorher darauf trainiert. Und mitgehen dürfen immer nur diejenigen, die sich auch sonst recht frei bewegen können.“

Übernachtet wurde unterwegs in Jugendherbergen, in Gasthäusern und anderen Unterkünften. Organisiert hatte die Wanderung der Schwarzwaldverein Bad Liebenzell. Horst Gaikowski leitete die Wandergruppe sehenden Auges. Die Wanderer selbst waren auch nicht anders, als es Menschen sind, die einen langen Marsch hinter sich haben. „Ein paar unwesentliche Blasen am Anfang der Wanderung, jetzt noch ein paar Druckstellen und die Freude auf die nächste Sitz- und später Schlafgelegenheit.“
Das alles aber wurde wettgemacht durch die Freude, ein Erlebnis gehabt zu haben, wie man es manchmal nicht für möglich gehalten hätte. Und die Wanderzeit war auch nicht länger als bei völlig gesunden Wanderern: zehn Etappen, von den die längste über eine Distanz von 42 Kilometern führte, die kürzeste über 18 Kilometer. Der jüngste der Wanderer war zweiundzwanzig Jahre, der älteste dreiundsechzig.