Blind = blind? (Meinungsbericht)

Ist Blindheit gleich Blindheit?

Zu dieser Frage möchte ich einmal hier meine Meinung kundtun. Es ist meine persönliche Bewertung zu diesem Thema. Wenn ich auf dieser Website meine ganz persönliche Bewältigung mit der Blindheit aufzeige, dann heißt es aber nicht, dass dies jeder blinde Mensch kann. Unter uns Blinden und Sehbehinderten gibt es ausreichend Menschen, die noch viel selbständiger sind als ich. Aber auch viele Personen, die sehr hilflos sind oder gemacht werden.

Ob ein Mensch in jugendlichem Alter erblindet oder im Alter von 40-70 Jahren, ist ein großer Unterschied. Bei den spät erblindeten Menschen spielt das soziale Umfeld eine große Rolle zur Verselbständigung. Z. B. macht der spät erblindete Mensch ein so genanntes Mobilitätstraining, dass ihn befähigt, alleine im Straßenverkehr zu gehen. Dennoch sagen Partner/ innen, Familie und Freunde, dass er es nicht alleine kann und dass es zu gefährlich ist. Sie lassen ihn auch nicht alleine gehen, obwohl er es kann und sich auch zutraut. Solche Situationen gibt es auch im häuslichen Bereich. Oft heißt es: „Das kannst Du doch nicht, du bist doch blind!“ anstatt ihn zu fördern und zu helfen, seine Selbständigkeit und Eigenständigkeit wieder zu erlangen.

Diese Aussagen habe ich oft in meinem Leben hören müssen und höre es heute noch. Doch davon lasse ich mich nicht beeindrucken. Wenn der Mensch den Willen hat und sich sagt, ich möchte und will, sowie bereit ist an seine Grenzen zu gehen, kann er sehr viel für sein eigenes Leben und seine Eigenständigkeit tun.

Ich sage immer - und daran ist viel Wahrheit! - :Wer sagt, „ich kann nicht“, ohne es probiert oder geübt zu haben, der sagt im Klartext. „ich will auch nicht!“ Und auch an seine Grenzen zu gehen heißt, Belastungen auf sich zu nehmen.

Es muss aber für mich deutlich gesagt werden, dass ein erblindeter Mensch, trotz vieler Hilfsmittel, ohne sehende Hilfe nicht leben kann. Wir blinde Menschen dürfen uns genau so Hilfe holen wie auch sehende Menschen es tun. Und wir brauchen sicher etwas mehr Hilfe als ein sehender Mensch.

Doch, wie viele sehende Menschen, insbesondere Männer, können nicht einmal selbst Kaffee kochen oder ein Brot bestreichen; so etwas soll es wirklich geben! Wohnen mit 50 und 60 Jahren noch bei Mutti und Papa. Das ist sehr traurig und es zeigt, dass sie für sich gar nicht die Verantwortung übernehmen wollen.

Blinde Menschen miteinander zu vergleichen ist absurd. Jeder geht mit seiner Behinderung so um, wie er es will und kann. Und wie es seine soziale Umwelt zulässt.
Viele Menschen stellen sich unter Blindheit sehr viel Schlimmeres vor, als es ist. Die Blindheit ist ein Problem und es kann auch nicht weg geredet werden. Aber so wie wir denken, so fühlen wir auch. Und so sieht jeder die Dinge, wie er sie sehen will.

Abschließend ein Zitat: „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg!“ - Verfasser unbekannt