Machbar, wenn wir es wissen

Rotenburger Kreuz vom 19.07.1998
Rotenburger Zeitung
Aktion Mobilitätsbehinderter im Straßenverkehr / Erhard Reil erläuterte Probleme

„Machbar, wenn wir es wissen“

Rotenburg. Wer kann wohl von sich behaupten, die alltäglichen Probleme von Behinderten genau zu kennen. Besonders im Straßenverkehr finden sich Risiken, die für den „Normalen“ nicht zu erkennen sind. Bei 1der Auftaktsveranstaltung zur Aktion „Mobilitätsbehinderte im Straßenverkehr“ im und am Rathaus demonstrierte Erhard Reil, der das Augenlicht in seiner Jugend verlor, in seinem Vortrag, welche Probleme ein Sehbehinderter im Verkehr hat.

„Was wäre, wenn Sie auf dem Weg hierher plötzlich verunglückt wären, im Krankenhaus aufwachen würden, und querschnittsgelähmt oder blind wären?“ Mit diesen Worten eröffnete Reil seine Rede. Ziel seines Vortrages sei es, die Situation im alltäglichen Leben aus Sicht der Behinderten und auch der Nichtbehinderten darzustellen und zu sensibilisieren.

Das richtige Publikum war auf jeden Fall anwesend. Vertreter der Verkehrswacht, der Polizei, der Politik und auch des Straßenbauamtes hatten sich im Rathaus eingefunden. Kritik in Form von Informationen, so Reil, keine Schuldzuweisung, sei sein Ziel. Denn der Behinderte müsse nicht nur Forderungen stellen, sondern auf die konkreten Missstände hinweisen. „Es ist machbar, wenn wir es wissen“, gibt sich Reil zuversichtlich. Anhand von Dias machte er auf einige alltägliche Probleme im Leben eines Blinden aufmerksam. Schon auf dem Gehweg geparkte Autos seien gefährlich. Er selbst habe sich 1991 eine schwere Platzwunde zugezogen, als ein geparkter Laster den Gehweg blockierte. Dies habe für ihn Anstoß gegeben, aktiv zu werden.

Auf dem Pferdemarkt konnte man sich derweil über die Situation behinderter Menschen im Straßenverkehr informieren. Neben Info-Ständen des Blindenvereins Elbe-Weser, der Rotenburger Werke und der AOK, konnte im Erfahrungstunnel der Verkehrswacht Rotenburg erlebt werden, wie es sich anfühlt, nur mit einem weißen Blindenstock bewaffnet durch einen dunklen Raum zu gehen, in dem es von Hindernissen nur so wimmelt.