Die Schwächsten im Verkehr: Körperbehinderte

Verkehrswacht, Ausgabe 4/1992

Verkehrswacht

Die Schwächsten im Verkehr:

Körperbehinderte

§ 3 Abs. 2a der StVO verpflichtet die Fahrzeugführer zu besonderer Rücksichtnahme gegenüber Kindern, älteren Menschen und „Hilfsbedürftigen“. Während sich die Verkehrswacht schon immer um den Schutz der ganz Jungen und der Alten gekümmert hat, wurden die Belange von Körperbehinderten bisher nur vereinzelt berücksichtigt.

Die Landesverkehrswacht Niedersachsen erarbeitet daher zur Zeit eine Konzeption, die später als Programm landesweit vor Ort umgesetzt werden soll.
 

Vorstand und Beirat der Oldenburger Verkehrswacht hatten jetzt Gelegenheit, sich von einem unmittelbar Betroffenen die Probleme von Geh- und Sehbehinderten im Straßenverkehr verdeutlichen zu lassen. Erhard Reil, Späterblindeter und in Verkehrssicherheitsfragen aktiv, ist seit einiger Zeit Mitglied unserer Verkehrswacht. Er ist aufgrund seiner speziellen Ausbildung ( Mobilitätstraining ) in der Lage, sich in bekannter, aber auch fremder Umgebung weitgehend ohne fremde Hilfe fortzubewegen. Angesichts der ohnehin schon schwierigen Lebenssituation der Betroffenen ist es sehr wichtig, die sozialen Kontakte aufrecht zu erhalten, damit nicht aus Körperbehinderung Isolierung, aus Isolierung Verbitterung und Einsamkeit erwachsen. Die eigene Mobilität ist eine wichtige Voraussetzung hierfür.
 

In seinem Lichtbildervortrag machte Erhard Reil deutlich, mit welchen enormen Schwierigkeiten er sich bei seinen täglichen Gängen zu kämpfen hat:  achtlos auf  Gehwegen abgestellte Fahrzeuge , unzureichend abgesicherte Baustellen, über den Gehweg hängender Bewuchs aus Vorgärten und vieles mehr sind eine ständige Gefahr, wenn auf den Radweg oder die Fahrbahn ausgewichen werden muß.

Auch baulich ließe sich nach Ansicht von Reil Vieles verbessern: neben den bereits vorhandenen Blindenampeln wären sog. Leitlinien eine große Hilfe, die mit dem Blindengehstock ertastet werden können (bestimmte Pflasterungen, deutliche Abgrenzung von Rad- und Fußwegen u.ä.). Zum Teil lassen sich ohne großen Aufwand, insbesondere bei Sanierungen oder Neubauten, entsprechende Vorkehrungen installieren. Spezielle Pflasterungen, wie sie derzeit an der Einmündung Nadorster Straße / Stiller Weg erprobt werden, erfordern hingegen einen hohen Kostenaufwand.
 

Unser Vorsitzender hat sich in einem Schreiben an die Stadt Oldenburg ( Oldb ) dafür ausgesprochen, die Belange der Körperbehinderten in die Bau- und Verkehrsplanung verstärkt mit einzubeziehen. Auch eine intensivere Kontrolle des ruhenden Verkehrs erscheint wünschenswert; zugeparkte Rad- und Gehwege seien auch für Fußgänger und Radfahrer ein ständiges Ärgernis und eine erhebliche Gefährdung. Das Freihalten der Geh- und Radwege von Be- bzw. Überwuchs, Schmutz und im Winter Eis und Schnee obliege in vielen Fällen der Anliegern. Eine stärkere Überwachung und ggf. Sanktionen erschienen erforderlich.
 

Fragen zum Thema beantwortet gern: Erhard Reil