Gefahr für Blinde an total abgesenkten Bordsteinen

NWZ vom 15.02.1994 Artikel

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Gefahr für Blinde an total abgesenkten Bordsteinen

Mehr Sicherheit für Behinderte im Straßenverkehr gefordert

„Mehr Sicherheit für behinderte Mitbürger im Straßenverkehr“ war Thema der Kreisverkehrswacht.

Von Heinz Janssen

Cloppenburg.  Erhard Reil weiß, wovon er spricht: Der Vorsitzende des Blindenvereins Oldenburg e. V. ist seit seiner Jugend blind und seit Jahren auch schwerhörig. Während einer Veranstaltung der Kreisverkehrswacht Cloppenburg hielt er einen Diavortrag über „Mehr Sicherheit für behinderte Mitbürger im Straßenverkehr“.

Der Vorsitzende der Kreisverkehrswacht, Hans-Karl Jäger, wies zu Beginn darauf hin, dass man sich in der Vergangenheit mit dem Thema der Behinderten im Straßenverkehr n och zu wenig auseinandergesetzt habe. Auch im relativ dünn besiedelten ländlichen  Kreis Cloppenburg wolle man diesem Problemkreis künftig mehr Aufmerksamkeit widmen.

Erhard Reil räumte ein, dass es recht schwierig sei, allen Behinderten gerecht zu werden, denn was für einen Rollstuhlfahrer gut sei, könne sich gerade für den Blinden als unüberwindliches Hindernis herausstellen. Er machte diese Aussage an den meist niveaugleich ausgebauten Fußgängerzonen fest, wo sich der Blinde mit seinem Stock überhaupt nicht mehr orientiere könne. Problematisch seien auch die total abgesenkten Bordsteinkanten an Fußgängerüberwegen, wo es dem Blinden nicht mehr möglich sei, zwischen Fahrbahn und Fußweg zu unterscheiden. Damit seien lebensgefährliche Situationen für die Blinden vorprogrammiert.

Reil setzte sich dafür ein, diese Bereiche mit der national auch zum Schutz der Blinden festgelegten Bordsteinkante in Höhe von drei Zentimetern zu versehen. Diese Kante könne der Blinde mit seinem Stock fühlen, und auch der Rollstuhlfahrer könne sie ohne große Mühe überwinden.

Als gefährlich für Blinde, so Reil weiter, stellen sich oft Verkehrszeichen, Reklameschilder, Bänke und andere Dinge heraus, die einfach irgendwo im Fußgängerbereich aufgestellt werden. Alle diese Dinge gehörten auf einen Sicherheitsstreifen direkt neben oder auf der Fahrbahn. Diese Hindernisse müssten bis auf den Boden durchgängig die gleiche Breite wie oben haben. Sonst könne der Blinde die Hindernisse mit seinem Stock nicht ertasten und stoße sich an den oben breiteren Hindernissen den Kopf.

Lebenswichtig für den Blinden im Straßenverkehr seien schließlich auch die Ampelanlagen, die mit akustischen Zusatzsignalen ausgestattet werden müssten. Auf den Einwurf eines Veranstaltungsteilnehmers, dass Blinde und Behinderte sich begleiten lassen sollten, stellte Reil für sich und andere Behinderte den Anspruch, so weit wie eben möglich selbstständig und ohne ständige Hilfe leben und sich bewegen zu wollen.