Große Hoffnung auf Partnerschaft und Verständnis

Anzeiger für Harlingerland vom 05.05.2000
Wittmund
Große Hoffnung auf Partnerschaft und Verständnis

Viele Institutionen beteiligen sich an der Ausstellung „Mobilitätsbehinderte im Straßenverkehr“/ Heute Europatag der Behinderten

Wittmund. Herbert Fischer, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse, brachte bei der Eröffnung der Ausstellung „Mobilitätsbehinderte im Straßenverkehr“ seine Hoffnung auf mehr Partnerschaft und größeres Verständnis zum Ausdruck.

Der Schirmherr der zweitägigen Veranstaltung sowie der Behindertenbeauftragte des Landkreises Wittmund, Helmut Gössling, und der Vorsitzende der Kreisverkehrswacht, Fritz Bröske, begrüßten zur Eröffnung einen prall gefüllten Stadthallensaal.

Fischer dankte allen Beteiligten – AOK, DRK, Landesverkehrswacht, Lebenshilfe Wittmund, Präventionsrat, Polizei, der Werkstatt für Behinderte, dem VdK, dem Club für Behinderte, der Firma Justus von Jelschen, Stefans Fahrradshop und dem SPD-Ortsverein. Und doch hob der Schirmherr zwei Institutionen hervor: Das Jagdgeschwader 71 „Richthofen“, weil es Personal für die Standbetreuung stellt und allein gestern vier Busse für den Transfer der Schüler aus dem gesamten Landkreis Wittmund einsetzte, und die KGS - Wittmund. Hier nämlich beschäftigten sich die Schüler im Vorfeld sehr intensiv mit den Problemen der Mobilitätsbehinderten im Straßenverkehr – unter der Leitung von Heinrich Winkelmann. Unter anderem beteiligten sich die Klassen 6c und 6d an einem Malwettbewerb. Die Arbeiten werden in der „Residenz“ gezeigt. Den beiden Klassensprechern Simon Weber und Niklas Kühl überreichte Herbert Fischer jeweils einen Gutschein als Dankeschön für die tolle Aktion. Henning Herget und Frank Thomßen erhielten ebenfalls Gutscheine, denn ihr gemeinsames Bild ziert die Einladungen und 200 Plakate für die zweitägige Ausstellung.

Helmut Gössling nutzte die Eröffnung zu einem Statement für die Gleichstellung von Behinderten, denn heute – am 5. Mai – ist der „Europatag der Behinderten“. Gösslings Kritik richtete sich unter anderem an den Gesetzgeber. Der Artikel 3 Abs. 3 begründe lediglich ein Benachteiligungsverbot, nicht aber ein Gleichstellungsgebot. „Wir müssen gemeinsam bestrebt sein, die rechtliche Gleichstellung zu erreichen und behinderte Menschen und ihre Benachteiligung wie auch Diskriminierung endlich zu verhindern“, sagte Gössling. Derweil schlenderten Schüler und auch Erwachsene durch die Ausstellung. Es gab viele Informationen, aber auch die Möglichkeit, am eigenen Leibe zu erfahren, was Mobilitätsbehinderung eigentlich bedeutet. Erhard Reil, selbst erblindet, ist Initiator dieser Ausstellung, zu der auch Vorträge von ihm gehören. Die Kinder löcherten ihn mit vielen Fragen.