Mein Weg in die Wandergruppe des Ofenerdieker Sportvereins

Schriftliche Äußerung eines Blinden, der an den Aktivitäten der SVO-Wandergruppe teilnimmt

Ich wurde am 22.08.1948 geboren und habe in Munderloh, Gemeinde Hatten bis zum 30. Lebensjahr gelebt.

1980 zog ich nach Oldenburg und wohne seit dieser Zeit in meiner eigenen Wohnung. Seit 1989 bin ich geschieden und versuche, mein Leben allein zu bewältigen. Dazu gehört auch, dass ich am Leben der Gesellschaft teilhaben möchte. Ich gehöre zu den Menschen, die viel Bewegung benötigen. Doch leider ist dies ohne Hilfe eines sehenden Menschen nicht möglich. Daher habe ich mich schon während der Ehe um eine Eingliederung in Vereine gekümmert, denn meine Exfrau hatte keine Lust zu Spaziergängen, Wanderungen und Tandem fahren. Doch meine Bemühungen scheiterten daran, dass ich keine Begleitung hatte. Hinzu kam, dass man mir nicht zutraute, dass ich wandern und Tandem fahren kann. Es gab und gibt auch heute noch Vereine, die es ablehnen, einen blinden Menschen einzugliedern. Auch Sport an der Universität Oldenburg war damals nicht möglich.

Durch viele Gespräche mit Menschen, die ich neu durch Kontaktanzeigen kennen lernte, traf ich auf eine Frau, die meine Angaben nicht glaubte. Sie sagte, dass sie jemanden kennt, der eine Wandergruppe leitet. Ihn wollte sie fragen, ob er den Kontakt zwischen dem Wandergruppenleiter und ihr herstellen könnte. Das gelang dann mit Herrn Erich Diers vom Ofenerdieker Sportverein. Er konnte sich zwar nicht richtig vorstellen wie das laufen sollte, dass ich in der Wandergruppe mitwandern könnte, doch ohne lange zu reden sagte er: „Wir versuchen es, und wenn Du die Gruppe aufhältst, dann werde ich Dir sagen, das geht nicht und wir gliedern Dich nicht ein“! Das war im Jahre 1992.

Dann kam die erste Wanderung im Dezember 1992. Diese Wanderung fand im Everstenmoor statt. Die Wege waren tief von den landwirtschaftlichen Wagen ausgefahren und der Boden war gefroren. Ich kam bei dieser Wanderung sehr gut klar und lief immer in den Spuren.

Am Ende der Wanderung fragte Herr Erich Diers die Gruppe, ob jemand etwas dagegen hätte, dass ich weiter in der Gruppe mitwandere. Es gab keine Einwendungen. Seit dieser Zeit bin ich bei fast jeder Wanderung dabei, wenn es meine Gesundheit zulässt.

Herr Erich Diers und seine Gruppe schleppen mich überall mit hin. Ich darf an Feiern usw. teilhaben und teilnehmen. Herr Erich Diers steuert mich bei Radtouren mit meinem Tandem, sodass ich nie ausgegrenzt bin. Wenn ich ausgegrenzt bin, dann grenze ich mich selber aus.

Die Wandergruppe des SVO führt eine wirkliche Integration ohne viele Worte durch.

Dass ich an den Wanderungen der Wandergruppe teilnehmen kann, ist für mich ein großes Stück Lebensqualität. Diese Lebensqualität kann ich nicht in Worte fassen.

Unsere Wanderungen führen manchmal über Stock und Stein, Gräben, Eisenbahnschienen, Zäune, umgefallene Bäume usw.

Ich bin gerne bereit, nähere Auskünfte zu geben.


Gez. E. R.